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09.07.1796 Ein Brand in Weißig
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Ein Großbrand in Weißig

Ein Augenzeuge berichtete folgendes Geschehen von diesem Tag in all seiner Tragik und seinem Ermessen:

"Gestern vor Mittag zwischen 9 und 10 Uhr wurde bei uns schrecklicher Feuerlärm. Ein südwestlich von der Stadt sich empor und nach dem Horizont hinwälzende Rauchwolke sagte uns, dass ein nahes Dorf in Brand stehe. Spritzen und Sturmfässer und alles, was laufen konnte, brach daher nach dem dazu gegebenen Signal im Augenblick auf und nach dem unglücklichen Orte zu.
Es war Weißig, ein Reußiges, an der Nürnberger Landstraße eine Stunde von hier gelegenes Dorf.
Das wir, weil man daselbst weder eine eigene Spritze noch sonst viel anderes Feuergeräte hat und der Wind stark ging, schon fast ganz in Flammen antrafen. Selbst unser guter Vater Heinrich war, wie gewöhnlich, unter denen, die den Unglücklichen zuerst zu Hilfe eilten. Und seinen weisen und vortrefflichen Anstalten ist es zu danken, dass noch die Kirche des Ortes, welche mitten in der Glut lag, nebst einigen abgelegenen Häusern gerettet wurde.
Aus der ganzen Gegend, links und rechts, bis und jenseits des unglücklichen Ortes strömten tausende Menschen mit vielen Spritzen und Feuergerät herbei und alle taten dabei viel, doch niemand von den fremden so viel, als die Gemeinde Liebschwitz mit ihrer vortrefflichen Spritze, die nebst der von Geißen die ersten beim Feuer waren und daher wie die letztgenannte Gemeinde öffentliches Lob verdient.
Ich war Augenzeuge von dem allen, so wie von dem Jammer und Herzleid der Abgebrannten, das den kaltblütigsten Menschen bis zu Tränen bringen musste.
Hier lag ein Unglücklicher, mit den Zähnen knirschend, den ein umgestürzter Balken ein Bein zerschmettert hatte, dort schrien die Eltern um ihr 6jähriges Kind, das mit verbrannt sein soll, sich aber nachher wiederfand, hier. Doch mit blutet das Herz zu sehr, als dass ich Ihnen mehr davon sagen könnte."

Das Schadensfeuer war im Gasthof in Weißig ausgebrochenund verursachte dem Besitzer einen Schaden von 8000 Talern. Schon kurz danach war man sich sicher, dass jemand das Feuer mit Absicht gelegt hatte.
Das wurde später Gewissheit, denn das Feuer war im Gasthof von einem durchreisenden "liederlichen Frauenzimmer", der später für mehrere Brandstiftungen verantwortlichen Susanne Marie Schmalz aus Langenberg, gelegt worden. Die Brandverbrecherin, die seit 1787 in der Geraer Umgebung in Stublach, Bieblach und Kaimberg ihr Unwesen getrieben hatte, wurde erst 1797 dingfest gemacht und zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Sie saß ihre Strafe, der eigenen Ehemann hatte sie bei den Behörden seinerzeit angezeigt, im Geraer Zucht- und Waisenhaus ab, wo sie auch starb. Später wurde das Gebäude als Geraer Stadtmuseum bekannt. Zu dieser Zeit stand es allerdings noch vor der Stadtmauer, also in der Geraer Vorstadt.

Mike Strunkowski für die Gera-Chronik im Februar 2010

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18.01.2015
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